Über Wasser?
June 19th, 2008Ein Dokumentarfilm von Udo Maurer, Österreich/Luxemburg 2007, Premiere gestern in der Kulturbrauerei in Berlin, in Anwesenheit des Regisseurs.
Tja.
Die Presse mag den Film, das Publikum mag den Film, der Regisseur mag seinen Film.
Das verwirrt mich einen Moment. Mich hat der Film empört, mich macht er wütend. Ich versuche, zu verstehen und meinem Empfinden Sprache zu geben.
Ich habe einen Film über Wasser erwartet, so ja auch der Titel auf Plakat und Flyer. Über das lebendige Wesen von Wasser, über Wasser als lebenserhaltende Substanz, über die Schönheit von Wasser, über die Bedeutung von Wasser für jedes Lebewesen und diesen Planeten, über die Verschmutzung von Wasser, über die Gefährdung von Wasser. Ich habe erwartet, dass der Film versucht, Wasser zu verstehen, zu respektieren und über Empathie einen tiefen Wunsch, es zu schützen, entstehen lässt.
Aber aus dem anschliessenden Gespräch wird klar, dass das gar nicht Anliegen des Regisseurs ist.
Aus der Synopsis: ‘An den Peripherien der menschlichen Zivilisation erzählt der Dokumentarfilmer Udo Maurer in “Über Wasser” Geschichten über den Umgang mit dem “nassen Element”: im überfluteten Bangladesch, wo aus Häusern Boote werden können, in der Steppe Kasachstans, wo Fischerdörfer mitten in der Wüste stehen, und in den dichtbesiedelten Slums von Nairobi, wo Trinkwasser zur Ware und zu einer Frage von Leben und Tod wird.‘
Udo Maurer will uns Menschen nahe bringen, die mit schwierigen Wasser-Situationen umgehen… den Fakten ein Gesicht geben, uns berühren. Er und auch das Publikum sind der Meinung, das Fakten und Zusammenhänge bekannt sind oder im Internet nachgelesen werden können.
Selbst unter diesem Gesichtspunkt funktioniert für mich der Film nicht. Der Film ist ein typisch deutscher, beobachtender Dokumentarfilm, 35mm, ohne Standpunkt, komplett aus eigener Wahrnehmung und Denke heraus, kein Eintauchen in eine andere Kultur, in groessere Zusammenhänge, schon gar nicht ins Wasser. Und schade auch, finde ich, dass er ausschliesslich in armen Ländern bleibt, fern von uns, unserer Kultur, unsererm Handeln.
Macht mich sprachlos, diese Gesellschaft, in der Fakten und Zusammenhänge anscheinend bewusst sind, oder zumindest gewusst werden, aber jeder Bezug zu sich selbst, seiner Kultur, seinem Handeln fehlt. Und macht mich ratlos, so ein Regisseur und so ein Publikum, das keine Reflexion der eigenen Art wahrzunehmen und zu denken besitzt oder fordert.
Für mich verpasst dieser Film tausend Möglichkeiten. Das Potential von Film an sich und von diesem Thema speziell ist so groß.
Das ist kein Film über Wasser, das ist Anthropozentrismus pur.
Hier noch ein Auszug aus ‚Naturenergien verstehen und nutzen’, von Callum Coats.
‚Die Menschheit schient noch nicht begriffen zu haben, dass die Abholzung von Bäumen auch die Abschaffung des Wassers bedeutet. Es ist die Walddecke, die Feinabstimmung des Wasserdampfgehaltes in der Atmosphäre und für die Schaffung von Süßwasser verantwortlich ist. Ist der Wald erst einmal gerodet, dann heizt sich der Boden rasch auf. In der Folge ist die Bodentemperatur im Allgemeinen wärmer, als der herabfallende Regen. Eine warme, trockene Erdoberfläche verhindert ein Versickern des Regenwassers. Bis eine ausreichende Anzahl von Bäumen neugepflanzt ist – nicht bloß Milliarden, sondern mehrere Hundert Milliarden – werden wir dem unerbittlichen, gnadenlosen Kreislauf von Dürre, Überschwemmung und wieder Dürre und Überschwemmung ausgesetzt sein, vor allem am Äquator und in den Warmzonen. Dagegen gibt es nur eine Lösung. Sie besteht darin, den Planeten massiv wiederaufzuforsten, und zwar jetzt gleich!
Eine weitere schreckliche Konsequenz dessen, dass das Wasser nicht mehr in den Boden eindringen kann ist, dass das Grundwasser nicht wieder aufgefüllt wird. Der Grundwasserspiegel sinkt und die Vegetation wird nicht mehr von unten mit Nährstoffen versorgt. Gleichzeitig treibt die groessere Intensität von Gewittern und Stürmen und die Uebererwärmung der Boeden infolge der massiven Waldrodung den Wasserdampf in die Atmosphäre bis in groessere Höhen als normal, womöglich an die 40-80 Kilometer über die Erdoberfläche. Hier ist er stärkerer ultravioletter und energiereicherer
Gammastrahlung ausgesetzt, die das Wassermolekül spalten und den Sauerstoff vom Wasserstoff trennen. Wegen seines geringeren spezifischen Gewichts steigt der Wasserstoff weiter auf und entweicht ins All, während der Sauerstoff absinkt. Was dabei aber das allerschlimmste ist: Alles, was dann einst Wasser war, ist dann völlig verschwunden – ein für allemal entschwunden.’


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