Clewwa.de

March 17th, 2008

Warum sind Politiker und Behörden eigentlich so wie sie sind? Das ist eine Frage, die sich wohl jeder schon gestellt hat und welche auch so grundlegend ist, dass es zu weit gehen würde, an dieser Stelle einen Klärungsversuch zu wagen. Lassen wir uns also auf einen Teilbereich beschränken. Deutsche Ämter und ihr Umgang mit dem Internet.

Nun, es ist noch nicht allzulange her, dass uns die Herren und Damen aus Berlin regelrecht verblüfft haben, wie man Spitzenpositionen der politischen und wirtschaftlichen Führungselite mit schierer Ahnungslosigkeit im Umgang mit dem Medium der Alltagskultur paaren kann. Respekt! So weiss man doch mittlerweile, dass knapp über 70% der Menschen im Lande zur Informationsbeschaffung an erster Stelle das Internet bemühen; was auch nicht wirklich verwunderlich ist - beachtet man, dass wir mittlerweile eine Generation erleben, die das prä-vernetzte Zeitalter gar nicht mehr kennt und dass deren Folgegeneration bereits in den Startlöchern steht. Erstaunlich, dass ausgerechnet diejenigen, die uns Schäfchen im profanen Sinne leiten sollen, von Tuten und Blasen keine Ahnung haben - sallopp gesagt.

Aber es scheint sich etwas jenseits des Kanzlers Podcasts zu tun, denn heute bin ich über den Konsumblog auf Clewwa, die schlaue Suchmaschine für Verbraucher gestoßen. Initiiert vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

“Oha!” war mein erster Gedanke. Leider wurden meine Vorurteile, die ich bereits vor dem Besuch der Seite hatte, bestätigt. Jedenfalls auf den ersten Blick:

Clewwa.de Screenshot

Wo bin ich denn da gelandet? Ein kurzer subjektiver Eindruck:

  • Über allem steht eine selten dämliche Wortmarke, die (bitte, bitte) ein Akronym sein muss. Was sich jedoch hinter der Abkürzung verbirgt bleibt zunächst ungeklärt.
  • Die Gestaltung der Seite ist clean und ordentlich, um nicht nüchtern und staubtrocken zu sagen.
  • Aber es gibt ja den peppigen … äh Professor (Lebensmitteltester, Rechnungsprüfer, Atomkraftwerksmitarbeiter?) der Schwung und Pfiff in die Angelegenheit bringt… (omfg!) aber mir trotz Nickelbrille und Klemmbrett auch nicht erklären kann, was ich hier soll.
  • Offensichtlich kann ich hier irgendetwas suchen. Das sagt mir jedenfalls das Texteingabefeld samt “Suchen”-Button. Und ich kann die Suche einschränken.
  • Der etwas holprige Appendix zu Clever, entschuldiung, Clewwer… äh Clewwa, birgt immerhin den Hinweis, dass es sich hier anscheinend um einen Service für Verbraucher handelt.

Also suche ich einfach mal nach etwas, was ich gerne verbauche, tippe ganz lapidar “Apfel” ein und starte die Suche. Die Ergebnisse kommen recht flott. Quasi innerhalb eines Augenblinzelns. Ich hege den Verdacht, dass es eher an einer mageren Datenbank liegt und nicht an einem Superrechner, der seines gleichen sucht. Die Anzeige 6.790 Ergebnisse bei so einem doch recht allgemeinen Suchbegrifft bestätigt mich dabei. Die Ergebnisse sind übrigens eine Mischung aus Seiten von öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten, offiziell geförderten Bio- und Verbraucherinitiativen, sowie als seriös bekannte kommerzielle Tageszeitungen.

Die Darstellung des ganzen ist so trist und Blau in Blau, dass man von einem übersichtlichen Informationsgehalt nicht einmal in Ansätzen sprechen kann. Ich verliere jedenfalls schnell die Lust, tiefer in die ausgeworfenen Links einzusteigen. Ausserdem weiss ich immer noch nicht, was Clewwa bedeutet, so verlasse ich die Seite und versuche mein Glück mal bei den “About”-Menüpunkten. Unter “Wie sucht Clewwa” findet man nun:

Clewwa sucht die von Ihnen gewünschten Informationen innerhalb eines vorgegebenen Katalogs von Internetseiten. Dieser Katalog umfasst Seiten ausgewählter Behörden, Umwelt- und Verbraucherverbände, Universitäten und Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Wirtschaftsverbände sowie Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender und verbraucherrelevanter Onlineportale.

Clewwa nutzt nur Internetseiten, die sich mit relevanten Informationen zu den Themen Lebensmittel, Kosmetik, Textilien, Tabak, Bedarfsgegenstände, Futtermittel, Pflanzenschutz, Tiergesundheit, Umwelt und Gentechnik auseinander setzen. Dabei werden die Internetseiten wichtiger Akteure in den jeweiligen Themengebieten berücksichtigt, ohne Ansehen der vertretenen Positionen.”

Was anschliessend unter “Welche Vorteile bietet Clewwa gegenüber gängigen Suchmaschinen?” folgt, kann man übrigens getrost ignorieren. Clewwa hat nämlich gar keine Vorteile gegenüber gängigen Suchmaschinen. Lassen wir die ganze Biederkeit, sowie das vollständige Fehlen von Benuzterfreundlichkeit ausser Acht - der Kern der Sache ist die Eingeschränktheit der Datenbank. Wieso sollte Clewwa innerhalb einer kleineren Inhaltsfülle relevantere, bessere, oder einfach auch nur mehr zu einem bestimmten Themenbereich finden, wenn Google und co. sich nicht nur des gleichen Pools bedienen, sondern darüber hinaus auch auf einen immens größeren Datenschatz zugreifen?

Vorselektion als Qualitätssicherung ist also das Stichwort. Auf die Frage des Konsumblogs an die Behörde, warum keine alternativen Blogs in der Suche enthalten seien, haben wir gleich eine hinterhergejagt: “Was sind die Auswahlkriterien, um in den Katalog mit aufgenommen zu werden?” Ich bin auf die Antwort gespannt; denn darin scheint ja der Schlüssel der ganzen Angelegenheit zu liegen, wobei ich schon der Meinung bin, dass ein geschlossenes System nie der richtige Weg sein kann. Sei es auch aus den nobelsten Gründen beschränkt.

Bis wir die Antwort haben, bleibt mir also nur noch der Versuch eines Fazits:

Ich denke, es ist ein netter Versuch, den Verbrauchern mehr Transparenz zu verschaffen. Leider krankt Clewwa an typisch deutscher Gestrigkeit und hat einen ganz grundsätzlichen Fehler im System: es wird nur in einem ohnehin vermeintlich “korrekten” Umfeld agiert und gerade die Kandidaten um die es eigentlich gehen sollte, werden nicht unter die Lupe genommen. Denn sind es nicht die Konzerne und “Ramschmedien”, die man zu mehr Transparenz verpflichten sollte?

Eine Suchmaschine, die Geschäftsberichte und Strategiepapiere zu Themen wie Nachhaltigkeit, Verbraucherschutz, Verantwortung auf den Zahn fühlt - das wäre innovativ! Aber um den Weg zur Süddeutschen Zeitung, Verbraucherorganen und grünen NGO’s zu finden, braucht kein Mensch eine neue Suchmaschine.

Am Rande und abschliessend noch etwas zum Thema Flexibilität und Modernität:

  • “Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass per E-Mail eingehende Schreiben von uns nur beantwortet werden können, wenn Sie Ihre komplette Postanschrift angeben.” WTF?
  • “Alle Inhalte von diesem Internetauftritt dürfen nur unter Angabe der Quelle (BUNDESAMT FÜR VERBRAUCHERSCHUTZ UND LEBENSMITTELSICHERHEIT, [Jahresangabe]: [Dokumenttitel], [URL], Stand: [Datum]) veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben werden. Das gleiche gilt für jede Form der Vervielfältigung, der Übersetzung sowie der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.”

Hahahahaha! Also:

Als Zitat gekennzeichnete Texte dieses Artikels (Anführungszeichen + Kursivschrift), sowie die oben eingebundene Grafik “clewwa.png” gehören dem BUNDESAMT FÜR VERBRAUCHERSCHUTZ UND LEBENSMITTELSICHERHEIT, 2008: “Clewwa, die schlaue Suchmaschine für Verbraucher”, http://www.clewwa.de/ und http://www.clewwa.de/wie_sucht_clewwa.html, 17. März 2008


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4 Responses to “Clewwa.de”

  1. Die Darstellung der Suchergebnisse ist wirklich lustabtötend und ohne jedes Bemühen, die Ergebnisse ansprechend und überblickfördernd anzeigen zu lassen. Aber villeicht lernen die ja noch, kann ja sein, dass die auf Userfeedback hören. ;-)

  2. Max

    Ich weiss es nicht. Ich halte ja den Grundansatz des ganzen schon für so planlos, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sich das Projekt noch in eine sinnvolle Richtung bewegt.
    Irgendwie kommt es mir so vor als säßen da ein paar Leute zusammen, die noch Geld aus ihrem Topf ausgeben mussten und sich dachten: “Yo, ne Website! Irgendwas mit Verbraucherschutz und Bio ist doch gerade angesagt”
    Ich möchte nicht wissen, wieviel das gekostet hat.

  3. ac

    > Leider krankt …….. an typisch deutscher Gestrigkeit und
    > hat einen ganz grundsätzlichen Fehler im System: es wird
    > nur in einem ohnehin vermeintlich “korrekten” Umfeld agiert

    Deshalb blockt ihr auch Seitenaufrufe von Surfern, die mit Internet Explorer 7 unterwegs sind. Ihr seid noch eine ganze Tüte ahnungsloser als jene, die ihr kritisiert. Einfach nur deppert :-)

  4. Max

    hast du dir jetzt firefox installiert um auf die seite zu kommen?

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