‘Entwicklung, und was danach?’ - ein offener Abend mit Vandana Shiva

March 13th, 2008

Der relativ kleine Raum des Schumacher Colleges war voll, richtig voll. Klar, Vandana Shiva ist echt ein Erlebnis! Zusammen mit Transition Towns Totnes veranstaltet das Schmacher College regelmässig offene Abende, diesmal war Vandana Shiva eingeladen: ‘Transformation of societies: Development, what next?’

Vandana Shiva ist eine inspirierende Persönlichkeit, einfach und freundlich im Auftreten, mit bestechendem Intellekt. Sie hat die Gabe, ausser den Fakten und Zahlen auch die Dynamiken und Strukturen, die dahinter stehen, anschaulich und sehr zugänglich darzustellen.

Als Einstieg gab Vandana Shiva einen kurzen Abriss über fünf vorherrschende Annahmen, die der westlichen Ökonomie zugrunde liegen und legte deren zerstörerische Auswirkung auf Natur und Menschen dar. Dann ging sie eingehend auf das Thema Biogas und Biodiesel ein. Irgendwo war mir schon klar, dass Biogas/Biodiesel im grossen Stil ‘Schmarrn’ ist, so to speak, aber ich war geplättet, dass weltweit in Biogas/Biodiesel eine ‘Lösung’ gesehen wird und geschockt darüber, wie weit die Umsetzung fortgeschritten ist, geschockt über das Ausmass der Auswirkungen auf die Umwelt, auf Bauern, auf ganze Kulturen. Und alles nur, um den Zusammenbruch unserer bestehenden Ökonomie und unserer Lebensweise, die auf Öl basieren, ein paar Jahre hinaus zu schieben! Macht mich sprachlos. Und was für einen Stellenwert hat Mobilität, das Auto, in unserer Gesellschaft, und was für einen Einfluss die Autoindustrie!

Der Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe ist hochsubventioniert. Einige Folgen: Monokultur wird gepushed, Regenwald wird abgeholzt, Bauern wird das Land zum Nahrungsmittelanbau genommen, die Preise für Nahrungsmittel steigen, … und absurderweise bewirkt dieser Versuch, den Klimwandel durch das Ersetzen von fossilen Brennstoffen durch Biokraftstoffe zu verlangsamen, genau das Gegenteil!
Zu dem kommt, dass Bauern zum Teil gesetzlich vorgeschrieben wird, was sie anbauen müssen. Und: Unmengen von wertvollem Süsswasser werden in der Herstellung von Biokraftstoffen verbraucht.

Fidel Castro bezeichnet den Anbau von Biokraftstoffen als Völkermord, sagt Vandana Shiva. Sie sieht eine Antwort auf Peakoil in lokal erzeugter Energie, was auf vielfältigste Art und Weise möglich ist, je nach Klimazone und Kultur.

Peakoil und Climate Change haben nicht vorraussehbare Folgen. Grundlegend für das Überleben des Menschen ist die Biodiversität, die gesunde und anpassungsfähige (Öko)Systeme ermöglicht. Es kann kein Instant-Heilmittel geben für eine Situation, eine ‘Krankheit’, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat.

Vandana Shiva ist bewundernswert klar. Sie strahlt grosse Kraft und Zuversicht aus, echt beeindruckend bei dem, was sie alles weiss, durchschaut und realisiert! Für sie ist ganz klar, welchen Wert und welches Recht jeder einzelne Mensch hat, ganz klar welchen inherenten, indiskutablen Wert jedes Lebewesen und die Erde selber hat. Ihre Kraft und Wirkung nährt sich aus der Liebe zu ihrem Land und ihren Leuten, aus der Verwurzelung in ihrer Kultur. In vielen kleine Beispielen und Geschichten wird ihr tiefes Verständis und ihr Respekt für die ländliche Bevölkerung Indiens deutlich.

Vandana Shiva hat in Nordindien das Projekt ‘Navdanya‘ ins Leben gerufen, was der Erhaltung alter Pflanzensorten und der Biodiversität dient, ausserdem der Unterstützung indischer Bauern. In diesem Projekt ist sie als Mensch, als Philosophin, als Umweltaktivistin und als Feministin zu spüren, wunderschön.

Vandana Shiva’s Znet Seite (diverse Artikel)

PS: eine Unterschriftenaktion von www.avaaz.org: Don’t burn Food


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This entry is part 7 of 11 in the series SOS on Tour

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